Zettier & Schmitz 
 Steuerberatersozietät 

Steuerliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise

Um die Krise finanziell so gut wie möglich zu überstehen, können Steuererleichterungen beantragt werden. Was das Finanzamt zu bieten hat und wie Sie an die Steuererleichterungen kommen können, beleuchten wir hier.

 

1. Herabsetzung von laufenden Vorauszahlungen

Haben Sie in diesem Jahr bereits Vorauszahlungen an das FA und die Gemeinde geleistet und drohen auch für die nächsten Quartale Abbuchungen von Vorauszahlungen, sollte das zu versteuernde Einkommen unter Einbeziehung der Corona-Krise neu berechnet werden. Ist 2020 mit keinem Gewinn zu rechnen, sollte beim FA ein Antrag auf Herabsetzung der laufenden Einkommen- oder Körperschaftsteuerzahlungen 2020 sowie der Vorauszahlungen für den Solidaritätszuschlag 2020 gestellt werden.

Vorteil:

Bereits geleistete Vorauszahlungen werden erstattet und bis zu einem Änderungsantrag werden auch keine weiteren Vorauszahlungen mehr eingezogen. Die FÄ sind angehalten, großzügig mit solchen Herabsetzungsanträgen umzugehen, wenn der Steuerzahler plausibel darlegen kann, dass er durch die Corona-Pandemie nicht unwesentlich betroffen ist.

Was in der Hektik der Corona-Krise häufig vergessen wird. Es bringt nichts, bei der Gemeinde einen Antrag auf Herabsetzung der laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen 2020 zu stellen. Der Antrag muss beim FA gestellt werden. Das FA erlässt aufgrund des Antrags einen Gewerbesteuermessbescheid für Zwecke von Vorauszahlungen, leitet diesen an die Gemeinde weiter und die Gemeinde setzt aufgrund dieses Grundlagenbescheids die Gewerbesteuervorauszahlungen herab.

 


2. Zinslose Stundung beantragen

Können Sie wegen der Corona-Krise bereits fällige Steuerzahlungen nicht leisten, müssen Sie nicht zur Bank und einen verzinslichen Kredit aufnehmen. Sie können beim FA einen Antrag auf zinslose Stundung stellen. Auch diese Anträge sollen vom FA großzügig behandelt werden. Auf Bund-Länder-Ebene wurde beschlossen, dass die Anträge nicht deshalb abzulehnen sind, weil die Steuerpflichtigen die entstandenen oder noch entstehenden Schäden aus der Corona-Krise wertmäßig nicht im Einzelnen nachweisen können. Es genügt der Nachweis, unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Pandemie betroffen zu sein.

Beachten Sie: Zinslos gestundet werden zunächst alle bereits fälligen oder bis zum 31.12.20 fällig werdenden Steuern.



3. Antrag auf Beendigung von Vollstreckungsmaßnahmen                            

Hatten Sie bereits vor der Corona-Krise finanzielle Schwierigkeiten und das FA versucht bereits in einem Vollstreckungsverfahren die fälligen Steuern einzutreiben, kann ein Antrag auf Beendigung der Vollstreckungsmaßnahmen gestellt werden. Auch hier gilt wieder: Können Sie nachweisen, dass Sie unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise betroffen ist, sollen die Vollstreckungsmaßnahmen eingestellt werden.

Die Vollstreckungsmaßnahmen sollen bis zum 31.12.20 ausgesetzt werden. In Kürze wird ein klärendes Schreiben des BMF erwartet. Ab diesem Zeitpunkt sollen Säumniszuschläge für rückständige Steuern im Vollstreckungsverfahren bis zum 31.12.20 per Allgemeinverfügung erlassen werden. 

 

4. Antrag auf Fristverlängerung für Umsatz- und für Lohnsteueranmeldungen

Corona-Krise finanziell überbrücken, können Sie beim FA ausnahmsweise einen Antrag stellen, dass Sie Ihre zum 10.4.20 fällige Umsatzsteuervoranmeldung bzw. Lohnsteueranmeldung erst am 11.5.20 an das FA übermitteln und die Zahlungen leisten müssen. Das sieht zumindest eine Verfügung einer Finanzbehörde vor, die unseren Kenntnissen nach jedoch bundeseinheitlich abgestimmt ist.


5. Antrag auf Fristverlängerung für Steuererklärungen

Für Steuererklärungen 2018 bei denen der Abgabetermin 29.02.20 bereits verstrichen ist, darf ausnahmsweise erneut ein Fristverlängerungsantrag gestellt werden. In einer Verfügung der Finanzverwaltung soll bei solchen Anträgen nicht kleinlich verfahren werden und eine rückwirkende Fristverlängerung bis 30.4.20 gewährt werden. Sammelfristverlängerungsanträge von Steuerberatern sind bei einem entsprechend schlüssigen Vortrag nicht mehr automatisiert zurückzuweisen. Es müssen schlüssige Gründe für die Fristverlängerung für die Steuererklärungen 2018 vorgetragen werden: Entweder weil der Steuerberater oder weil seine Mandanten unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise betroffen sind.

 

6. Risikomanagement: Antrag zur Vermeidung einer

schlechten Risikoklasse

Das Risikomanagementsystem in der Finanzverwaltung stuft Steuerzahler je nach Zahlungsmoral und Abgabeverhalten in eine bestimmte Risikoklasse ein. Das bedeutet: 

Hat ein Steuerzahler Steuerrückstände, fanden oder finden Vollstreckungsmaßnahmen statt oder kommt ein Steuerzahler seinen Abgabefristen für Steuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen oder Lohnsteueranmeldungen nicht nach, stuft ihn in die Finanzamtssoftware automatisch in eine hohe Risikoklasse ein. Folgen sind die kritischere Überprüfung von Steuererklärungen durch die Sachbearbeiter in den FÄ und häufigere Prüfungen des FA vor Ort.

 

7. Antrag auf Unterbrechung laufender Betriebsprüfungen

Findet bei Ihnen aktuell eine Betriebsprüfung statt oder soll diese in den nächsten Wochen beginnen, sollte die Unterbrechung bzw. die Verschiebung der Betriebsprüfung beantragt werden. Schließlich sollen soziale Kontakte minimiert werden, um die Ausbreitung des Corona- Virus zu verlangsamen. Auf dieses Konzept setzt auch die Finanzverwaltung und hat seine Prüfer ins Homeoffice geschickt. Amtsprüfungen sind damit zwar möglich. Besser sind jedoch Prüfungen beim Steuerberater oder in der Firma, weil die Fragen des Prüfers hier sofort beantwortet werden können.

 

8. Erstattung der Sonderzahlung bei Dauerfristverlängerung

Brauchen Sie dringend Geld zur Überbrückung der Umsatzeinbußen wegen Corona und haben Sie im Rahmen einer Dauerfristverlängerung nach § 46 UStDV im Jahr 2020 eine Sonderzahlung leisten müssen, können Sie die Erstattung dieser Sonderzahlung beantragen. Diese Erstattungsmöglichkeit wurde vom Bundesfinanzministerium in Aussicht gestellt. Ein offizielles Schreiben lag jedoch nicht vor. Dennoch sollte bei dringendem Finanzbedarf ein Erstattungsantrag gestellt werden.Die Erstattung dürfte wieder davon abhängig sein, dass Sie dem Finanzamt plausibel nachweisen, dass Sie unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise betroffen ist.